Kickers Offenbach vor dem Auswärtsspiel in Sandhausen: Ende der Delle?

Ein Punkt, der sich nach zwei Dritteln wie ein verlorener anfühlte und am Ende doch Gold wert sein könnte: Im Flutlichtspiel gegen den FC Homburg trennten sich die Kickers Offenbach 2:2. Für das Team vom Bieberer Berg war es das dritte Spiel in Serie ohne Sieg. Jetzt steht am Freitag die Reise zum SV Sandhausen an – und die Antwort auf die Frage, wie ernst die kleine Delle wirklich ist.

Späte Moral gegen Homburg

Vor 5.916 Zuschauern im Plutos Stadion am Bieberer Berg begann der OFC druckvoll, ließ aber lange die Kaltschnäuzigkeit vermissen. Maximilian Wolfram, der nach muskulären Problemen zurück in die Startelf kehrte, scheiterte zunächst vom Punkt, bekam nur zwei Minuten später die nächste Gelegenheit und verwandelte diesmal sicher zur Führung. Doch noch vor der Pause köpfte Homburg nach der ersten Annäherung an den Kickers-Kasten zum Ausgleich ein, und nach dem Wechsel gingen die Gäste nach einem Abstimmungsfehler auf der linken Abwehrseite sogar in Front.

Als Wolfram kurz darauf erneut angeschlagen vom Feld humpelte, schien der Abend gelaufen. Doch eine Standardsituation von Keanu Staude und die Ablage von Jan Becker reichten, damit Maximilian Schmid in der 87. Minute zum 2:2 einschieben konnte – sein sechstes Saisontor. Wolfram gab nach dem Spiel Entwarnung: Der Muskel habe lediglich zugemacht. Für Offenbach ist das fast die wichtigere Nachricht als der Punkt.

Wo der Schuh drückt

Trainer Mark Zimmermann machte nach dem Spiel kein Geheimnis daraus, was er sieht: eine Mannschaft, der ein paar Prozent Energie fehlen und die spürt, dass sie etwas zu verlieren hat. Die Leichtigkeit der ersten Wochen ist weg. Das zeigt sich vor allem hinten: In fünf der vergangenen sechs Partien kassierte der OFC mindestens zwei Gegentore, häufig nach ähnlichen Mustern – zu passiv im tiefen Block, zu wenig Zugriff am Mann.

Auch einzelne Leistungsträger wirken müde. Benedikt von Hagen bleibt als Zielspieler im Angriff wichtig, Bastian Frölich leistet sich in der Innenverteidigung mehr Unsicherheiten als zu Saisonbeginn. Nichts Dramatisches, aber genau die Kleinigkeiten, die in einer so engen Liga über Aufstieg oder Zuschauerrolle entscheiden.

Kopfsache mit Fachpersonal

Passend dazu rückte zuletzt ein Mann ins Rampenlicht, der sonst im Hintergrund arbeitet: Sven Voigt ist seit Jahresbeginn externer Mentalcoach der Kickers. Während Bastian Kliem sich um Fitness und Reha kümmert, ist Voigt für den Kopf zuständig – und das nicht nur bei den Spielern. Der 54-Jährige, selbst ehemaliger Leistungssportler, Tennis-Europameister seiner Altersklasse und seit 45 Jahren OFC-Fan, berichtet, dass die Mannschaft sein Angebot inzwischen deutlich offener annimmt als in der verkorksten Vorsaison. In einer Phase, in der es weniger um Taktik und mehr um Selbstvertrauen geht, kann das den Unterschied machen.

Sandhausen: Prüfstein am Hardtwald

Die Aufgabe könnte kaum unbequemer sein. Der SV Sandhausen, Absteiger aus der 3. Liga, ist seit sechs Spielen ungeschlagen und gewann am Samstag mit 3:1 beim FSV Frankfurt. Mit 16 Punkten liegt er zwar vier Zähler hinter dem OFC, doch das Selbstvertrauen der Kurpfälzer ist spürbar gewachsen. Anstoß ist am Freitag, 16. Oktober, um 19 Uhr im Stadion am Hardtwald; die Auswärtstickets gibt es im OFC-Fanshop.

Zimmermann fordert für diesen Abend mehr Mut und weniger Passivität. Personell sieht es ordentlich aus: Wolfram und Verteidiger Mohamadaziz Abdelhadi sind nach ihren Muskelproblemen wieder im Training, während Jelle Goselink mit einer Sprunggelenksverletzung und Jan Hendrik Marx wegen Knieproblemen weiter ausfallen.

Oben dran bleiben

Die Tabelle gibt den Kickers jedenfalls allen Grund, nicht in Panik zu verfallen – aber auch keinen, sich zurückzulehnen. Mit 20 Punkten ist der OFC Dritter, punktgleich mit den Stuttgarter Kickers und nur drei Zähler hinter Spitzenreiter SGV Freiberg. Genau dort gehört ein Traditionsverein wie Offenbach hin, und genau dort will er bleiben. Ein Sieg in Sandhausen würde nicht nur die Serie beenden, sondern auch das Heimspiel gegen eben jenen Tabellenführer eine Woche später am Freitag, 23. Oktober, zum echten Spitzenspiel machen. Der Aufstieg wird nicht im Oktober entschieden, aber Spiele wie dieses entscheiden, wer im Mai noch mitreden darf.