Neun Punkte aus drei Spielen, Tabellenführung in der Regionalliga Südwest und ein Selbstvertrauen, das man dem Team vom Bieberer Berg zuletzt so nicht zugetraut hätte: Kickers Offenbach ist so stark in eine Saison gestartet wie seit 16 Jahren nicht mehr. Nach dem 3:1-Heimsieg gegen die zweite Mannschaft von Mainz 05 steht der OFC blendend da – und schielt trotz aller gebotenen Vorsicht längst wieder nach ganz oben.
Drei Siege in Folge – so souverän wie lange nicht
Vor eigenem Publikum ließ die Mannschaft von Trainer Mark Zimmermann von Beginn an keinen Zweifel daran, wer in dieser Partie den Ton angeben wollte. Schon nach 16 Minuten führte der OFC durch Treffer von Benedikt von Hagen und Maximilian Schmid mit 2:0, ein weiterer Treffer wurde nach zweifelhafter Abseitsentscheidung nicht gegeben. Die Bundesliga-Reserve aus Mainz kam zwar zurück ins Spiel und sorgte zeitweise für hitzige Phasen, doch Kristjan Arh Cesen stellte mit einem satten Distanzschuss zehn Minuten vor Schluss die Weichen endgültig auf Sieg. Zwischen den Pfosten hielt Johannes Brinkies mit mehreren starken Paraden den Kasten sauber genug, um am Ende als verdienter 3:1-Erfolg in die Bücher einzugehen. Damit gelang den Kickers erstmals seit 2010 ein derart erfolgreicher Saisonauftakt – seinerzeit stand sogar eine Fünf-Siege-Serie in der 3. Liga zu Buche.
Marx und Arh Cesen als Dauerbrenner auf den Außenbahnen
Ein wesentlicher Faktor für den starken Lauf sind die beiden Schienenspieler Jan Hendrik Marx und Arh Cesen. Beide pendeln unermüdlich zwischen Defensive und Angriff und sorgen im gegnerischen Strafraum immer wieder für Gefahr, statt sich nur auf die Defensivarbeit zu beschränken. Schon beim knappen Auftaktsieg gegen Astoria Walldorf und beim überzeugenden 2:0 in Ulm hatten die beiden entscheidenden Anteil an den Offenbacher Toren. Auffällig ist dabei, dass es aktuell kaum gleichwertigen Ersatz gibt – auf rechts ist Marx praktisch konkurrenzlos, auf links fehlen mit Ronny Marcos und Faris El Ouali gleich zwei Alternativen verletzungsbedingt. Der junge Nathan Doganay soll sich erst noch an das Niveau der Liga gewöhnen.
Frölich überzeugt als neuer Abwehrchef
Für Stabilität in der Dreierkette sorgt derweil ein Zugang, dem im Sommer eher wenig zugetraut wurde: Bastian Frölich kam nach zwei Abstiegen mit dem Göppinger SV zum OFC und übernahm nach der Verletzung von Alexander Sorge kurzerhand die Rolle des Abwehrchefs im Zentrum. Trotz eher durchschnittlicher Körpergröße für diese Position gewann der 26-Jährige gegen Mainz II beinahe jeden Zweikampf und überzeugte vor allem durch cleveres Stellungsspiel. Zimmermann lobte die Zuverlässigkeit seines Neuzugangs ausdrücklich – ein Umstand, der angesichts der dünnen Personaldecke in der Abwehr umso wichtiger ist, schließlich steht mit Jayson Breitenbach nach seiner Meniskus-Operation nur ein weiterer echter Innenverteidiger zur Verfügung.
Nächste Bewährungsprobe: Aufsteiger Kaiserslautern II kommt
Feiern ist am Bieberer Berg trotz Tabellenführung nicht angesagt – die Kickers wissen, dass gerade erst drei von vielen Spieltagen gespielt sind. Schon am kommenden Freitag um 19 Uhr wartet die nächste Aufgabe: Dann empfängt der OFC im heimischen Plutos Stadion am Bieberer Berg den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern II. Die junge Reserve der Roten Teufel gilt als spielstark und schnell im Umschaltspiel, ähnlich wie zuletzt Mainz II. Für die Kickers soll es die Gelegenheit sein, die Serie weiter auszubauen und die gezeigte kämpferische Geschlossenheit zu bestätigen. Bei allem Respekt vor dem jungen Gegner ist die Marschroute klar: Der Blick geht nicht nach unten in die Tabelle, sondern nach vorne – dorthin, wo der Verein aus Offenbach seiner großen Historie nach eigentlich immer hingehört.
Ein Blick zurück als Ansporn
Dass große Namen und große Momente zur Vereinsgeschichte gehören, zeigt aktuell eine andere Randnotiz: Mit Dieter Müller hält ein ehemaliger Offenbacher noch immer einen bemerkenswerten Rekord – 14 Tore in einer einzigen DFB-Pokalsaison, aufgestellt 1976/77 für den 1. FC Köln und bis heute unerreicht, selbst von Weltstars wie Harry Kane. Der spätere OFC-Präsident steht damit sinnbildlich für die Ambitionen, die man am Bieberer Berg traditionell hegt. Mit dem aktuellen Lauf hat die Mannschaft von Mark Zimmermann zumindest schon einmal gezeigt, dass sie bereit ist, an solche Geschichten zumindest ein kleines Stück weit anzuknüpfen.