Wer geglaubt hat, dass nach dem wilden Comeback gegen Steinbach Haiger erstmal Verschnaufpause angesagt ist, kennt den Terminkalender der Offenbacher Kickers nicht. Schon am Freitagabend geht es weiter, und diesmal wartet ein echter Brocken: der KSV Hessen Kassel. Für das Team vom Bieberer Berg ist es bereits das dritte Pflichtspiel innerhalb von nur sieben Tagen – und das ausgerechnet als Tabellenführer der Regionalliga Südwest.
Drama pur gegen Steinbach Haiger
Dass der OFC überhaupt mit breiter Brust nach Nordhessen reisen kann, hat er einer bemerkenswerten Aufholjagd zu verdanken. Gegen den TSV Steinbach Haiger lagen die Kickers nach zwölf Minuten bereits mit 0:2 zurück – zwei Gegentore, die durch eigene Unachtsamkeiten begünstigt wurden. Statt einzuknicken, drehte die Mannschaft von Trainer Mark Zimmermann die Partie mit enormem Willen und gewann am Ende verdient mit 3:2. Maximilian Wolfram war an allen drei Treffern direkt beteiligt und bestätigte damit einmal mehr seinen Ausnahmestatus in dieser Liga – inzwischen steht er bei vier Toren und vier Vorlagen aus sechs Partien, Bestwert in der gesamten Liga. Auch Neuzugang Jakob Lewald überzeugte bei seinem Startelfdebüt in der Dreierkette mit Ruhe und Kopfballstärke, während Kapitän Johannes Brinkies im Kasten erneut mehrfach glänzend parierte. Für die Fans im Plutos Stadion am Bieberer Berg war es der vierte Heimsieg im vierten Heimspiel dieser Saison – die Stimmung entsprechend ausgelassen.
Prestigeduell im Norden wartet
Kaum ist der Jubel verklungen, steht schon der nächste Härtetest an: Am Freitag um 19 Uhr tritt der OFC auswärts im Auestadion beim KSV Hessen Kassel an. In der Region wird die Partie bereits als „Nord-Süd-Gipfel“ gehandelt – ein Duell mit Tradition und reichlich Brisanz. Die Nordhessen selbst rangieren aktuell im gesicherten Mittelfeld der Tabelle, taten sich zu Hause zuletzt aber überraschend leicht und gewannen zwei ihrer vergangenen drei Heimspiele. Entsprechend kämpferisch klang es aus Kassel im Vorfeld: Man wolle das wichtige Heimspiel unbedingt durchbringen und sich gegen den aktuellen Überflieger der Liga mit aller Kraft zur Wehr setzen. Für die Offenbacher Kickers zählt trotzdem nur eines: den Vorsprung an der Spitze verteidigen und den nächsten Dreier einfahren. Von Zufriedenheit mit der aktuellen Position darf dabei keine Rede sein – der Blick geht ganz klar nach oben, in Richtung Aufstieg.
Englische Woche als Belastungsprobe
Drei Spiele in sieben Tagen, dazu die permanente Gangart mit hohem Pressing und viel Laufarbeit – das zehrt an den Kräften. Zimmermann hat deshalb bereits Rotation angedeutet und will einigen Spielern, die zuletzt von der Bank kamen, mehr Einsatzzeit von Beginn an geben. Wichtig sei vor allem die mentale Frische, weniger das große Grübeln über taktische Details. Nach dem Kraftakt gegen Steinbach braucht es in Kassel also nicht nur Beine, sondern auch den nötigen Biss, um in einem laut angekündigten „brisanten und emotionalen“ Spiel die Nerven zu behalten.
Anhang reist mit nach Nordhessen
Schon beim Mainderby in Bornheim hatten die Kickers-Fans eindrucksvoll bewiesen, wie sehr sie hinter ihrer Mannschaft stehen: Fanmarsch über die Kaiserleibrücke, ein voller Gästeblock und eine Atmosphäre, die selbst Trainer Zimmermann in dieser Form noch nicht erlebt hatte. Auch für die weite Reise nach Kassel dürfte wieder einiges an Unterstützung mitkommen, schließlich hat das Duell mit dem KSV Traditionscharakter und lockt Jahr für Jahr viele Anhänger vom Bieberer Berg an. Mit diesem Rückenwind im Gepäck reist der Tabellenführer am Freitag in den Norden – im Wissen, dass ein Auswärtssieg beim Nord-Süd-Gipfel ein echtes Ausrufezeichen im Aufstiegsrennen wäre.
Tabellensituation vor dem Spieltag
Mit 16 Punkten aus sechs Spielen führt der OFC die Regionalliga Südwest ungeschlagen an und hat sich nach dem Steinbach-Sieg einen komfortablen Vorsprung von vier Zählern auf die Verfolger erarbeitet. Ein Erfolg in Kassel würde die Ausgangslage vor dem weiteren Saisonverlauf noch einmal deutlich verbessern. Klar ist aber auch: Die Konkurrenz schläft nicht, und gerade englische Wochen wie diese können schnell zur Zerreißprobe werden. Umso mehr zählt am Freitag der geschlossene Auftritt der gesamten Mannschaft – getreu dem Anspruch, den das Team vom Bieberer Berg in dieser Saison konsequent verfolgt: nicht stehenbleiben, sondern weiter nach vorne schauen.