Saisonende am Bieberer Berg: Pleite gegen Kassel, acht Abschiede und Zimmermanns Neuaufbau

Das war ein Saisonfinale zum Vergessen. Mit einer 1:3-Heimpleite gegen den KSV Hessen Kassel verabschiedete sich das Team vom Bieberer Berg in die kürzeste Sommerpause der jüngeren Vereinsgeschichte. Statt der angepeilten Klettertour Richtung Platz elf bleibt am Ende Rang 14 – die schlechteste Endplatzierung seit dem Zwangsabstieg aus der 3. Liga vor 13 Jahren. Wer den Bieberer Berg kennt, weiß: Ein Verein mit dieser Tradition gibt sich mit so einer Saison nicht zufrieden. Trainer Mark Zimmermann, der seinen Vertrag in der Woche vor dem Abschluss verlängert hat, hat den Neuaufbau bereits eingeläutet.

Ein Nachmittag, der vieles zusammenfasst

Im Sparda-Bank-Hessen-Stadion bekamen die rund 7.000 Zuschauer am Samstagnachmittag jene Mischung aus Aufopferung und Effizienzmangel zu sehen, die diese Saison über weite Strecken geprägt hat. Ron Berlinski verkürzte kurz vor der Pause auf 1:2 – sein zwölftes Saisontor – ließ aber zwei weitere Großchancen liegen. Kassel nutzte seine Möglichkeiten klinischer und entschied die Partie verdient für sich. Schon vor dem Anpfiff hatten die Anhänger ihre Stimmung deutlich gemacht: Vor Block zwei prangte ein Banner mit der Frage, ob „charakterlose Profis“ den Verein an die Wand spielen und die Jugend es ausbaden solle. Die Antwort lieferte das Spiel selbst – und sie tat weh.

Acht Abschiede mit gemischten Gefühlen

Vor dem Anpfiff war es Zeit für Blumensträuße und Tränen. Acht Spieler wurden verabschiedet: Stephan Mensah, Marc Wachs, Kilian Skolik und Leihspieler Jona Borsum standen schon länger auf der Liste. Wirklich überrascht hat dagegen die Trennung von Topscorer Berlinski (zwölf Tore, fünf Vorlagen), Boubacar Barry und Vincent Moreno. Berlinski und der OFC fanden keine Einigung, der Stürmer wird wohl in die Regionalliga Nordost wechseln. Moreno, seit 2014 am Bieberer Berg und vor zwei Jahren noch Drittliga-Kandidat, geht ebenfalls. Routinier Sascha Korb, der seine Karriere ohnehin schon beendet hatte, konzentriert sich künftig komplett auf seine Rolle als Scout. Berlinski, später in Trikot und Badeschlappen in einer Kneipe neben dem Stadion unterwegs, fand klare Worte: Den langjährigen Profis hätte er einen würdigeren Abschied gewünscht.

Brinkies und Zimmermann sprechen Klartext

Nach Abpfiff war keine Zeit für diplomatische Floskeln. Torwart Johannes Brinkies sprach offen davon, man habe in dieser Runde „Scheißdreck fabriziert“, deshalb müsse sich „eine Menge ändern“. Zimmermann sieht das ähnlich. Der 52-Jährige, erst seit dem 12. März im Amt, hat in seinen zweieinhalb Monaten eine ganze Reihe von Baustellen identifiziert. Besonders die Fitness der Mannschaft hat ihn beschäftigt: Trotz Athletiktrainer Bastian Kliem blieb in der Rückrunde oft nur Mängelverwaltung. „Es fängt im Urlaub an und setzt sich in der Vorbereitung fort“, stellte der Coach klar. Seine Hausaufgabe an jeden einzelnen Spieler lautet: „Was braucht es, um besser zu werden?“ Die Antwort liefert er gleich mit: nicht 50 Prozent mehr, sondern fünf Prozent an jedem Tag. Auf Dauer ergibt das einen anderen OFC.

Drei Talente steigen auf, mehr Erfahrung soll kommen

Den Generationswechsel spürt man bereits. Mit Alessandro Pistritto, Mohamadaziz Abdelhadi und Adam Loune wurden drei Nachwuchsspieler zu Profis befördert. Pistritto und der zur Pause ausgewechselte Faris El Ouali hatten am Sonntag noch für die U19 gespielt – ein Sinnbild dafür, wie sehr der OFC zuletzt auf die Jugend setzen musste. Zimmermann weiß, dass das nicht reicht: „Erfahrung spielt eine ganz große Rolle.“ Während Kassels Mittelfeld am Samstag im Schnitt 33 Jahre alt war (mit Ex-Bundesligaprofi Lukas Rupp), waren es beim OFC gerade einmal 19. Erste Zugänge sollen ab Mitte der Woche verkündet werden, bis der Kader steht, dürfte es noch dauern.

Der Fahrplan in die neue Saison

Während andere Vereine die Beine hochlegen, hat Zimmermann längst Termine gesetzt. Am 22. Juni stehen leistungsdiagnostische Tests beim Rehapartner Main Körper an, das erste Mannschaftstraining steigt am 29. Juni. Bis dahin sind die Spieler dafür verantwortlich, gesünder, fitter und entschlossener aus dem Urlaub zurückzukommen, als sie ihn antreten. Gemeinsam mit Sport-Geschäftsführer Martin Pieckenhagen will der Trainer endlich wieder eine funktionierende Achse aufbauen. Eines steht für ihn fest: „So etwas wie diese Saison soll sich nicht wiederholen.“ Eine ganz klare Ansage. Am Bieberer Berg darf es nach 13 Jahren Regionalliga wieder einen Schritt nach oben gehen – die Geduld der Anhänger ist auf jeden Fall am Ende.