Die Kickers Offenbach stecken im Tabellenkeller fest – doch der aktuelle Wind am Bieberer Berg könnte zum Wendepunkt werden. Nach 107 Tagen ohne Zu-Null-Spiel feierte der OFC gegen Bahlinger SC einen wichtigen Sieg, und die kommende Aufgabe in Alzenau verspricht echtes Feuer im Kellerduell.
Mit Martin Pieckenhagen als neuem Sportgeschäftsführer bekommt Kickers Offenbach einen erfahrenen Manager an die Seite. Der 54-Jährige, der zuvor fünf Jahre lang bei Hansa Rostock tätig war, lädt frische Energie in ein Projekt, das strategische Neuausrichtung braucht. Es ist kein Zufall, dass gleich zum Einstand eine defensive Stabilität gelang, die über 107 Tage gefehlt hatte. Brinkies erinnert sich noch genau: Der letzte Zu-Null-Sieg datierte gegen Bayern Alzenau – genau den Gegner, auf den die Kickers jetzt treffen. Der Kreis schließt sich.
Pieckenhagen setzt auf Realismus statt großen Versprechungen. In der Regionalliga könne man keine teuren Scoutingabteilungen etablieren – aber „auf kleiner Flamme entwickeln“. Das ist die richtige Lektüre für einen Klub im Abstiegskampf: klare Prioritäten, pragmatische Lösungen, messbare Schritte. Der ehemalige Hansa-Vorstand hat ein klares Ziel vor Augen: den OFC langfristig stabilisieren und aus dieser prekären Situation befreien. Das kann nicht über Nacht passieren, aber die ersten Signale sind positiv.
Die „Szene Offenbach“ hat zuletzt heftige Kritik an einzelnen Spielern geübt – mangelnde Professionalität außerhalb des Platzes war ein Streitpunkt. Doch gleichzeitig honorierten die aktiven Fans die Kämpfernatur der Mannschaft und signalisierten: Wer für den OFC kämpft, gehört zu uns. Trainer Kristjan Glibo weiß um diese Chemie: „Wenn der Block steht und die Kurve uns anpeitscht, gibt uns das die letzten Energiepunkte.“ Das ist nicht nur Floskel – es ist die unbequeme Wahrheit des Abstiegskampfs.
In einem Schreiben betonte die Vereinigung der aktiven Fans: Die Mannschaft habe sich mit ihrer Leistung „unsere Unterstützung im Kampf um den Klassenerhalt verdient.“ Gleichzeitig richteten sie eine unmissverständliche Botschaft an einzelne Spieler, die sich „aus der Verantwortung gezogen“ hätten. Das ist die wichtige Balance im Abstiegskampf: Unterstützung mit Konsequenz. Nicht blinder Optimismus, sondern klare Erwartungen an jeden Einzelnen.
Während Abwehr und Torwart wieder in Fahrt kommen, zeigt sich auch vorne Hoffnungvolles. Kilian Skolik, einst als vierte Stürmer-Option ins Lager der Kickers gekommen, entwickelt sich zum überraschend zuverlässigen Mittelfeld-Arbeiter. Seine Läufe, seine Präsenz – Glibo sieht darin einen „Mehrwert für die Mannschaft“. Der 1,95-Meter-Mann aus Neuss bringt nicht nur Größe mit, sondern auch Tempo und Qualitäten im Rückenspiel. Das hat sich bereits in den bisherigen 18 Partien gezeigt: 16 Mal im Einsatz, neunmal in Folge von Beginn an dabei.
Und dann Keanu Staude, der gegen Bahlingen das Siegtor schoss: Mit dem Ball am Fuß tunnelt er den gegnerischen Keeper, als wäre es ein Trainingsplatz-Übung. Dieses Duo, lange Zeit ungelenk, findet langsam seinen Rhythmus. Staude selbst war zuerst eher die Nummer vier der Stürmer-Hierarchie – nun beweist der talentierte Kicker, dass er unter Druck liefern kann. „Ich fühle mich wohl, wenn ich Platz habe und meinen Mitspielern den Ball auflegen kann“, sagt er. Das ist das Selbstvertrauen, das der OFC in diesem Moment braucht.
Bayern Alzenau sieht im kommenden Samstag (14 Uhr) das „Spiel des Jahres“ – und im unterfränkischen Städtchen herrscht tatsächlich Ausnahmezustand. Neun Spiele ohne Sieg für die Gastgeber, dazu regional-emotionale Rivalität und einige Ex-Offenbacher im Alzenauer Kader. Für den OFC ist das eine klassische Kellerduell-Konstellation: hungrige Gegner, Heimvorteil für den Kontrahenten, wenig Raum für Fehler.
Allerdings spricht eine wichtige Statistik für die Kickers: Sie haben gegen die fünf unteren Teams der Liga 14 von 24 Saisonpunkten geholt und sind gegen Alzenau, Bahlingen, Schott Mainz und Barockstadt ungeschlagen. Auch Alzenau besiegten sie mit 1:0 – die alte Abwehr-Stärke wird wieder zur Waffe. Glibo fordert: „Wir müssen die Gegebenheiten annehmen.“ Eine Auswärts-Reise in die Unterfranken-Hölle, eine gegnerische Elf, die hungrig ist, und ein Moment, in dem alles zusammenpassen könnte. Mit Pieckenhagen an der Seite, mit Skolik und Staude in Schwung, mit der Fanszene als Anfeuerung im Rücken – Kickers Offenbach hat in diesem Abstiegskampf nicht nur überlebt, sondern könnte jetzt anfangen, zu atmen.
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