Kommentar zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschafft

In den Tagesthemen der ARD vom 23.07.2018 habe ich einen Kommentar von Serdar Somuncu zu Özils Rücktritt aus der Nationalmannschaft gesehen, den ich sehr gut fand und den ich hier verlinken möchte.

Hintergrund

Mesut Özil erklärte am 22. Juli 2018 per Twitter seinen Rücktritt aus der Deutschen Nationalmannschaft. Auslöser der Debatte um seine Person war das Foto, das ihn zusammen mit dem türkischen Autokraten Erdogan zeigt. Nach dem peinlichen Ausscheiden der Nationalmannschaft bei der WM 2018 in Russland, hatten Teammanager Oliver Bierhoff und DFB-Chef Grindel von Özil eine öffentliche Erklärung gefordert. Dieser fühlte sich dadurch zum Sündenbock abgestempelt. Auf Twitter schrieb er: “Ich bin Deutscher, wenn wir gewinnen, und ein Immigrant, wenn wir verlieren”.

Bekannte Worte

Das erinnert an die Situation von Karim Benzema in der französischen Nationalmannschaft, der immer wieder mit seinen algerischen Wurzeln und seinem islamischen Glauben konfrontiert wurde, sobald er seine Integrität im Nationalteam nicht durch seine Leistung bezeugen konnte.

Die Rolle des DFB

Auch wenn ich finde, dass Mesut Özil durchaus etwas einsichtiger mit seiner eigenen Rolle sein könnte, besonders als Vorbild für die Jugend, so finde ich es viel schlimmer, wie der DFB mit dieser Situation umgegangen ist. Mit angemessenem, menschlichem Verhalten seitens des DFB hätte es nie so weit kommen dürfen. Erwachsene, erfahrene Männer ließen sich dazu hinreißen, einer einzelnen Person Fehlverhalten zuzuschreiben, um damit ein wenig vom kollektiven Versagen in Russland abzulenken. Dazu passt gut ins Bild, dass Jogi Löw seine Analyse zum Ausscheiden in der Vorrunde am Tag des Bundesliga Saisonstarts 2018/19 präsentieren möchte, wenn das allgemeine Interesse wieder bei den Vereinsmannschaften liegt.

Die Rolle der Fans

Die Deutsche Nationalmannschaft steht vor einem Umbruch. Ich hoffe, dass Özils Rücktritt erst der Anfang war und sich die Fußballfans nicht von der populistischen Rassismusdebatte mitreißen lassen, sondern den Fußball weiterhin als Völkerverständigung auf und neben dem Fußballplatz verstehen.

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