Online-Wetten in Deutschland: Legal oder nicht?

Zu Zeiten der Fußballweltmeisterschaft, in der Deutschland endlich mal wieder nach 24 Jahren den Titel geholt hat, wollten viele Fans ein wenig mehr Würze und Spannung ins Spiel bringen. Das Platzieren einer Online-Wette bei bekannten Annahmestellen im Internet ist dafür eine gute Möglichkeit, denn so bringt der Sieg (oder die Niederlage) gleich ein paar Euro in die eigene Kasse ein. Allerdings bleibt ein Problem: Die Frage, ob Online-Wetten in Deutschland legal sind, denn eindeutig ist das leider nicht.

Online-Wettanbieter agieren in Deutschland immer noch in einer Grauzone, was so viel bedeutet, wie: Sie sind legal, aber irgendwie auch nicht. Es gibt in der Bundesrepublik einfach keine eindeutige Rechtsprechung und keine Gesetz – es sei denn, man lebt in Schleswig-Holstein. Um diese Thematik ein wenig zu entwirren, braucht es einen kleinen Blick hinter die Kulissen.

Wenn Oliver Kahn dafür wirbt, kann es doch nur legal sein, oder?

Wir kennen ihn als Titan, den Ex-Nationaltorhüter Oliver Kahn, der heute ZDF-Experte bei Deutschlandspielen ist. Er wirbt für ein großes Portal für Online-Wetten – und wenn unser Olli sich als Werbefigur hergibt, kann ja eigentlich nichts schief gehen, oder? Fakt ist jedoch, dass Online-Wettanbieter in einer Grauzone agieren:

  • Online-Wetten sind in Deutschland nicht reguliert.
  • Wenn ein Markt nicht reguliert ist, ist er jedoch nicht gleichzeitig illegal.
  • Ein Spieler, der in Deutschland Online-Wetten platziert, macht sich damit nicht strafbar.
  • Die fehlende Regulierung bedeutet jedoch auch, dass deutsche Gesetze hier nicht greifen – kommt es zum Streit, beispielsweise wegen nicht ausgezahlter Wettgewinne, steht der Nutzer alleine da.

Es ist also mit einem gewissen Risiko verbunden, wenn jemand in Deutschland eine Online-Wette platziert, da er nicht auf sein Recht pochen kann, dass Gewinne ausgezahlt werden. Allerdings bedeutet das nicht, dass Online-Wetten damit komplett unseriös sind. Im Gegenteil: Würde das Online-Portal die Gewinne nicht auszahlen, würden ihm die Nutzer wegbleiben – und das kann sich selbst das größte Portal nicht leisten. Es geht also darum, herauszufinden, welche Portale seriös sind. Das findet der User entweder über entsprechende Testberichte heraus oder er prüft selbst, welche Faktoren für einen seriösen Online-Wettanbieter sprechen.

Ich wohne in Schleswig-Holstein – wie sieht es hier mit Online-Wetten aus?

Deutsche Staatsbürger, die in Schleswig-Holstein wohnen, haben eine ganz besondere Stellung, denn: Das nördlichste Bundesland ging lange Zeit auf dem Gebiet der Lizenzvergabe an Online Casinos und Online-Wettanbieter einen eigenen Weg. Während der Rest der Bundesrepublik dem staatlichen Glücksspielvertrag beitrat, machte Schleswig-Holstein sein eigenes Ding und vergab Lizenzen an ausgewählte Portale, die damit legal agieren und gleichzeitig dem deutschen Gesetz unterliegen.

Ein Freifahrtschein war das jedoch nicht, denn die Anbieter mussten zahlreiche Auflagen erfüllen. Aber Vorsicht: Das legale Wetten ist jedoch nur für diejenigen gedacht, die einen Wohnsitz in Schleswig-Holstein haben. Wer in einem anderen Bundesland wohnt, kann das Angebot zwar nutzen, dann allerdings wieder in der besagten Grauzone.

Heute ist auch Schleswig-Holstein dem staatlichen Glücksspielvertrag beigetreten. Die bisher vergebenen Lizenzen bleiben davon jedoch unberührt. Die Bestimmungen zum Erhalt der Lizenz wurden zusätzlich drastisch verschärft. So beinhaltet das Glücksspielgesetz Schleswig-Holsteins allein vier Paragraphen, die dem Spielerschutz dienen:

  • § 25 Informationspflicht

In insgesamt 13 Unterpunkten wird hier festgehalten, welche Kosten und Gewinne (für den Spieler) entstehen können. Jeder dieser Unterpunkte muss für den Lizenzerhalt erfüllt werden.

  • § 26 Werbung

Zwar ist Werbung für Online-Wette und Glücksspiel allgemein erlaubt, allerdings ist ganz genau vorgeschrieben, wie die Werbung aussehen darf. So sind nur angemessene Werbemaßnahmen erlaubt, die nur tatsächlich erspielbare Gewinne versprechen dürfen.

  • § 27 Minderjährigenschutz, Spielerschutz und Aufklärung

Wenn es um Minderjährige geht, sind die Regelungen sehr strikt – Unter-18-jährige dürfen weder mit Werbung angesprochen, noch darf ihnen in irgendeiner Form Zugang gewährt werden. Entsprechende Schutzmaßnahmen und auch die Aufklärung volljähriger Spieler ist Pflicht.

  • § 28 Sozialkonzept

Spielsucht ist bei Wettangeboten allgemein ein Problem. Der § 28 schreibt den Lizenznehmern deshalb vor ein Konzept zu entwickeln, das Spieler vor der Sucht schützt, ihnen Möglichkeiten und Anlaufstellen zur Verfügung stellt, um bei einer Sucht zu helfen – dazu gehören auch technische Barrieren, wie beispielsweise eine Selbstsperrung innerhalb des Online-Angebots.

Wie man das Thema Online-Wetten auch dreht und wendet – es ist weder legal noch illegal, von den Sonderregelungen für Schleswig-Holsteiner mal abgesehen. Wichtig ist also nach wie vor, sich das Wettportal genau anzuschauen und entsprechende Punkte zu prüfen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass es sich hier um einen seriösen Anbieter handelt. Dann bleibt das Wetten auch weiterhin ein Spaß und wird nicht zum Albtraum.

Powered by WordPress.