„Wir sind selbst schuld“

Aus der Offenbach Post:
München ‐ Als Andreas Möller um 15.08 Uhr im Laufschritt aus dem Grünwalder-Stadion hastete, führte seine Mannschaft 1:0 gegen die U23 des FC Bayern München und stand kurz vor der Herbstmeisterschaft. Von Jochen Koch

Weil der Sportmanager der Offenbacher Kickers auf der Autobahn zu seiner hochschwangeren Frau raste, bei der die Wehen eingesetzt hatten, blieb ihm der OFC-Absturz erspart. In den letzten 25 Spielminuten verspielten die Kickers Führung und Herbstmeisterschaft. Das 1:1, das Sene für die Münchner Bayern erzielte (64. Minute), hätte noch für die Vorrunden-Krönung gereicht. Doch mit dem 2:1 durch Yilmaz (76.) und dem späten Ingolstädter Siegtreffer (89.) in Sandhausen fielen die Kickers nach fünf Spieltagen an der Spitze auf Platz zwei zurück.

Die erste Niederlage für Trainer Steffen Menze kam aber nicht einmal überraschend. Schon in den letzten vier Spielen hatte sich angedeutet, dass die Mannschaft nicht mehr die Stabilität der ersten 13 Spiele erreicht. Und wie schon gegen Wuppertal (1:1) und Sandhausen (3:3) konnten die Offenbacher eine Führung nicht über die Zeit retten. Das frühe 1:0 durch einen Kopfballtreffer von Alexander Huber (19.) brachte dem OFC nicht die erhoffte Sicherheit, sondern stachelte nur die Bayern zu noch mehr Leidenschaft, Laufbereitschaft und Durchsetzungswillen an. Die Kickers versuchten, ihre brüchige Führung zu verwalten. Doch die Zeiten, als sich die Mannschaft auf eine stabile Deckung verlassen konnte, sind seit einigen Wochen vorbei. Derzeit muss man immer mit einem oder mehreren individuellen Fehlern kalkulieren, die der Gegner dann zu leichten Toren ausnutzt. Nachdem Martin Hysky schon beim 1:1 gepatzt hatte, sah der Kapitän auch beim 2:1 für die Bayern durch Yilmaz nicht gut aus, und auch Torwart Robert Wulnikowski ließ sich von der allgemeinen Verunsicherung anstecken, konnte den Ball beim 2:1 nicht festhalten. Menze sprach von einer „ganz bitteren Niederlage“ und „zwei sehr, sehr dummen Fehlern“.

In der Defensive ist der verletzte Steffen Haas nicht zu ersetzen. Er hatte durch seine Zweikampf- und Laufstärke im zentralen Mittelfeld dafür gesorgt, dass die Abwehrspieler kaum in 1:1-Situationen gegen Stürmer kamen. Seit Haas fehlt, gab es in drei Spielen acht Gegentore. „Eindeutig zuviel“, denkt Menze über Konsequenzen nach. Doch personell ist derzeit wenig zu machen. Da sich auch Marko Kopilas (Oberschenkelprellung) verletzte, wird die Personaldecke immer dünner. Marc Heitmeier wäre die ersehnte Alternative im Abwehrzentrum, doch der 24-Jährige steht noch nicht zur Verfügung.

Aber in München enttäuschte nicht nur die Offenbacher Defensive. Diesmal konnte auch die Offensiv-Abteilung den Ansprüchen einer Spitzenmannschaft nicht einmal ansatzweise gerecht werden. Ein Tor durch einen Abwehrspieler nach einem Freistoß – das war es schon. Keine weitere Torchance. David Ulm (spielte trotz Magenproblemen) und Stefan Zinnow brachten diesmal die rechte Seite nicht auf Touren. Die linke Seite war zwar bemüht, aber auch wieder ohne Durchschlagskraft.

„Wir sind selbst schuld“, sah Menze den Grund für die Niederlage nicht in der Stärke der keineswegs überragenden Bayern-Mannschaft. Den Offenbachern fehlten Konzentration, Leidenschaft und Durchsetzungsvermögen. „Wir haben es selbst verbockt“, zeigte sich Martin Hysky selbstkritisch. Der Kapitän sieht die Kickers nach drei Spielen ohne Sieg zwar „im Moment am Boden“, ist aber fest überzeugt, dass „wir bald wieder den Weg nach oben finden werden“.

Zumindest ein Offenbacher durfte sich am Samstag nach seiner Rückkehr aus München freuen. Sportmanager Möller kam nach der Hatz auf der Autobahn („Zwei Stunden, 45 Minuten“) rechtzeitig zur Geburt seines Sohnes Luke in die Klinik.

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