Fluch mit den Kreuzbändern

Aus der Offenbach Post:
Offenbach – „Schock“, „Katastrophe“, „Fluch“. Die Verantwortlichen der Offenbacher Kickers waren gestern am Boden zerstört, als sie erfuhren, was sie schon am Dienstagabend geahnt hatten. Von Jochen Koch

U20-Nationalspieler Sebastian Rode hat sich im Nachholspiel gegen Werder Bremen das vordere Kreuzband im rechten Knie gerissen und fällt sechs Monate aus. Der Mittelfeldspieler hatte sich die Verletzung bei einem Zusammenprall mit Niklas Andersen, Sohn des ehemaligen Kickers-Trainers Jörn Andersen, in der 47. Spielminute zugezogen. Schon in Bremen hatte Werders Mannschaftsarzt bei der ersten Untersuchung die Befürchtung eines Kreuzbandrisses geäußert. Eine Kernspintomographie am Mittwochvormittag in Offenbach bestätigte die Diagnose. „Das vordere Kreuzband ist gerissen. Ob Meniskus oder Knorpel beschädigt sind, kann man erst bei der Operation feststellen“, erklärte der Offenbacher Mannschaftsarzt Dr. Wulf Schwietzer.

Wann und wo Rode operiert wird, steht nicht fest. Zunächst muss die Schwellung im Knie abklingen. „Das ist eine Katastrophe. Wir müssen jetzt Sebastian Rode alle erdenkliche Hilfe geben“, sagte Trainer Hans-Jürgen Boysen auch im Hinblick auf die schulische Situation des 18-jährigen Gymnasiasten, der nächstes Jahr sein Abitur schreiben wird.
Rode „unser bester Spieler“

Sportlich ist Sebastian Rode für die Kickers derzeit kaum zu ersetzen. „Er ist momentan unser bester Spieler“ hatte Sportmanager Andreas Möller vor Rodes Verletzung geurteilt. Den U20-Nationalspieler hatten am Dienstag unter anderem die Manager Jörg Schmadtke (Hannover 96) und Helmut Schulte (FC St. Pauli) beobachtet. Obwohl Rode noch bis 2011 bei Kickers Offenbach unter Vertrag steht, gab es erste Anfragen aus Bundesliga und 2. Liga.

Rode setzt eine dramatische Verletzungsmisere der Kickers fort. Der Mittelfeldspieler ist der fünfte junge Offenbacher Spieler, der innerhalb von elf Monaten mit einem Kreuzbandriss ausfällt. Vor Rode hatten sich Benjamin Baier (Oktober 2008), Daniel Goldschmitt (November 2008), Tufan Tosunoglu (März 2009) und A-Jugend-Talent Ivica Modica (August) diese Verletzung zugezogen und konnten seitdem nicht mehr für die Kickers spielen. „Das ist schon wie ein Fluch“, hadert Boysen mit der beispiellosen Kreuzband-Serie der Kickers-Spieler.
„Ein Schock für uns alle“

„Die Verletzung von Sebastian Rode war wie ein Schock für uns alle. Aber jetzt müssen wir nach vorne schauen und überlegen, was machbar ist“, sagte Andreas Möller. Nach einem Gespräch mit dem Trainer kündigte der Sportmanager an, dass die Kickers sich kurzfristig nach einem neuen Spieler umschauen werden. „Ich werde zum Präsidium gehen und versuchen, dass wir einen neuen, jungen Spieler verpflichten können.“ Da die Wechselzeit am 31. August abgelaufen ist, können die Vereine jetzt nur noch arbeitslose

Spieler unter Vertrag nehmen. Bei den Kickers kommt noch eine besondere Problematik hinzu. Die Drittligisten müssen bei jedem Spiel im 18er-Kader mindestens vier Spieler berücksichtigen, die vor dem 1. Juli 1986 geboren sind. Von den sieben Offenbacher Spielern im Profikader, die jünger als 23 sind, stehen Baier, Tosunoglu, Goldschmitt und Rode langfristig nicht zur Verfügung. Neben Steffen Haas (21/9 Spiele) und Nils Teixeira (19 Jahre/9 Spiele) erfüllt jetzt nur noch Simon Pospischil (20/kein Spiel) die U23-Quote. Am Samstag gegen Ingolstadt droht nun der Ausfall von Steffen Haas. Der Mittelfeldspieler erlitt bei einem Kopfballduell in Bremen eine Schädelprellung mit leichter Gehirnerschütterung und bekam bis Freitag Bettruhe verordnet. „Es ist fraglich, ob er am Samstag gegen Ingolstadt spielen kann“, meinte Boysen. Wenn auch noch Haas ausfällt, muss der Trainer zwei unerfahrene Nachwuchsspieler auf die Bank setzen.

Kandidaten sind A-Jugend-Torwart Maurice Paul (17) und die Abwehrspieler aus der U23 Martin Pintaric und Philipp Hörst. „Wir werden uns etwas einfallen lassen“, sagt Boysen, der auch noch um den Einsatz des an der Patellasehne verletzten Marius Laux bangt. Alles andere als gute Voraussetzungen für das Spiel gegen den Zweitligaabsteiger, der mit der besten Offensive (22 Tore) auf die beste Defensive (5 Gegentore) der Liga trifft.

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