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Aus der Frankfurter Rundschau:
Kickers-Verteidiger Niko Bungert trug gegen Luxemburg den Adler auf der Brust / Zuletzt stand ein OFC-Spieler vor 23 Jahren in einer DFB-Auswahl
VON ANDREAS HUNZINGER

Eine Extrawurst gab es für Niko Bungert gestern nicht. Der Innenverteidiger der Offenbacher Kickers musste bereits am Morgen wieder zum Training des Fußball-Zweitligisten erscheinen. Schließlich wartet auf den OFC am kommenden Sonntag das Heimspiel gegen den 1. FC Köln.

Aber den einen oder anderen Klaps auf die Schulter bekam der 21-Jährige von seinen Kollegen schon. Immerhin hatte Bungert tags zuvor Besonderes erlebt. Der Abwehrspieler hatte beim 6:0 der deutschen U-21-Auswahl im EM-Qualifikationsspiel gegen Luxemburg in Wiesbaden sein Debüt im Trikot mit dem Bundesadler gegeben; in der 63. Minute war er für den Schalker Benedikt Höwedes gekommen. Die Freude über sein Debüt war dem schlaksigen Abwehrspezialisten denn auch deutlich anzusehen. „Sehr schön“ sei es gewesen, so Bungert, und zudem „ein dankbarer Einstand“. Schließlich war der Gegner zu deutlich unterlegen als dass der OFC-Verteidiger noch in ernsthafte Verlegenheit gekommen wäre.

Bungerts Freude war vor allem deshalb groß, weil er eigentlich nicht mehr damit gerechnet hatte, noch mal zu Länderspielehren zu kommen. Einmal war er zuvor im Kader des Teams von Trainer Dieter Eilts gewesen – am 16. Oktober des vergangenen Jahres beim 3:0-Erfolg im Qualifikationsspiel gegen Moldawien in Pirmasens. Damals hatte Bungert 90 Minuten auf der Bank gesessen und war anschließend nicht mehr im Kader aufgetaucht. Auch für die Partie am Dienstag war Bungert eigentlich nicht vorgesehen. Erst nach der Verletzung von Patrick Ebert von Hertha BSC Berlin wurde er am Sonntagabend kurzfristig nachnominiert.

Doch selbst, als sich Bungert am Dienstagabend um kurz halb neun auf die Ersatzbank setzte, „habe ich nicht daran geglaubt, dass ich spielen würde“. Immerhin stünden in der U 21 „viele Spieler mit Bundesligaerfahrung“, und da könne er als Zweitligaverteidiger nicht zwingend damit rechnen, aufgestellt zu werden. In der Halbzeitpause habe sich dann aber abgezeichnet, dass es mit dem Debüt klappen würde, berichtet Bungert. „Als mich Co-Trainer Willi Zander gerufen hat, war ich glücklich“, sagt der 21-Jährige. Der Rest war purer Spaß: auf den Platz laufen, ein paar Querpässe spielen und die überforderten Luxemburger Stürmer im Auge zu behalten.

Nachhaltig empfehlen konnte sich Bungert natürlich nicht. Aber dennoch hofft er, dass er wiederkommen darf und in Zukunft noch den einen oder anderen internationalen Einsatz verzeichnen kann. Verdient hätte er es, findet Jörn Andersen. „Niko spielt eine klasse Saison“, hatte der OFC-Coach schon vor dem Spiel gesagt.

Andersen saß in Wiesbaden auf der Tribüne. Ebenso wie Bungerts Teamkollegen Daniel Endres, Maximilian Watzka, Benjamin Baier und Christian Müller. Sie alle wollten sehen, wie Bungert seine internationale Feuertaufe besteht. Schließlich hat es lange gedauert, bis die Offenbacher Kickers wieder einen Nationalspieler haben. Und zwar auf den Tag genau 23 Jahre. Am 26. März 1985 spielten ein junger OFC-Torwart namens Oliver Reck sowie der Kickers-Mittelfeldakteur Jörg Neun mit der deutschen U 21 0:0 gegen die Schweiz.