„Wir sind im Mittelmaß“

Aus der Offenbach Post:
Offenbach ‐ Geschichte wiederholt sich auf dem Bieberer Berg. 2009 verpatzten die Offenbacher Kickers in den ersten beiden Spielen mit zwei Niederlagen ihre Aufstiegsambitionen. 2010 ist der Aufstieg in die 2. Liga wieder in weiter Ferne, weil die Mannschaft erneut die ersten zwei Spiele kläglich verloren hat. Von Jochen Koch

0:1 in Osnabrück und gestern daheim 1:2 gegen eine Notelf von Borussia Dortmund II, das auf zehn verletzte, gesperrte oder bei Profis und U19-Nationalmannschaft benötigte Stammspieler verzichten musste.

Jetzt ist die Not auf dem Bieberer Berg groß. „Das ist ein ganz bitterer Moment. Wir stecken in einem großen Dilemma“, meinte Steffen Menze. Der 41-jährige Trainer ist lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass nach sieben Spielen ohne Sieg nun auch sein Posten in höchster Gefahr ist.

Auf das 0:1 gegen Osnabrück hatte Menze mit einem Systemwechsel zum 4-4-2 und vier personellen Umstellungen reagiert. Mit dem Ergebnis, dass die Kickers zwar eindeutig spielbestimmend waren, sich jede Menge Torchancen erarbeiteten, aber nur vom Elfmeterpunkt trafen und dafür auch noch dilettantisch verteidigten.

„Wir wussten, dass der OFC unter Druck steht“, kalkulierte Dortmunds Trainer Theo Schneider mit Offenbacher Nervosität und Fehlern, die sich auch prompt nicht vermeiden ließen, weil die Mannschaft derzeit nicht die für ein Spitzenteam nötige Stabilität besitzt. Beim OFC fehlt auf dem Spielfeld eine Führungsfigur, wie sie die jungen Dortmunder in Kapitän Uwe Hünemeier besaßen. Die an guten Tagen starken Einzelspieler sind kein funktionierendes Gefüge. Die Mannschaft schafft es seit Monaten nicht mehr, die richtige Balance zwischen Offensive und Defensive zu finden.

Mit versteinerter Miene registrierte Offenbachs Sportmanager Andreas Möller, wie die jungen Dortmunder den routinierten Offenbachern (neun Spieler in der Startelf spielten schon 2. Liga) vor allem in Sachen Effektivität haushoch überlegen waren. Vier Dortmunder Chancen, zwei Tore. 14 Offenbacher Chancen, ein Tor.

Beim 0:1 (11.) hatte Marcus Piossek den Offenbacher Maik Schutzbach genarrt und aus 14 Metern getroffen. Das 0:2 (22.) erzielte Uwe Hünemeier per Kopfball, als die gesamte Offenbacher Abwehr Spalier stand. Die Fahrlässigkeit bei den Gegentoren machte Menze wütend. „So etwas ist fahrlässig. Wir reden und reden. Aber langsam habe ich Zweifel an gewissen Sachen. Ich sehe keine Identifikation mit der ganzen Sache“, wirft Menze einigen Spielern mangelndes Berufsverständnis vor. Nach 32 Minuten wechselte er Christian Pospischil aus, nach 45 Minuten war für Kapitän Martin Hysky Schluss.

Nach dem 1:2 (47.) durch einen von Mirnes Mesic verwandelten Foulelfmeter (Neumeister an Zinnow) „hatten wir großes Glück“, verhehlte BvB-Trainer Schneider nicht, dass es ein glücklicher Sieg war. Kaptan und Boztepe retteten zweimal auf der Torlinie. Der Ex-Dortmunder Marc Heitmeier vergab zweimal freistehend, und Torwart Focher hielt den Rest.

Aus den Aufstiegsrängen geflogen

Die Kickers können derzeit die hohen Erwartungen nicht erfüllen. „Es ist nicht der Moment über Platz eins und zwei nachzudenken. Mit solchen Leistungen müssen wir uns damit nicht beschäftigen“, hat nicht nur Steffen Menze den direkten Aufstieg abgehakt. „Wir haben die Schnauze voll“, skandierten die Fans nach dem Schlusspfiff auf der Waldemar-Klein-Tribüne.

Erstmals seit dem 11. Spieltag sind die Kickers gestern aus den Aufstiegsrängen geflogen. Wobei Platz vier noch über die wahren Kräfteverhältnisse täuscht, denn nicht weniger als sechs Vereine können in ihren Nachholspielen an Kickers Offenbach vorbei ziehen. Das Fazit des wieder einmal besten Offenbachers, Robert Wulnikowski: „Wir sind im Mittelmaß gelandet.“

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