Sieg mit Langzeitwirkung?

Aus der Offenbach Post:
Unterhaching – Es war wie immer in Unterhaching. Die Offenbacher Kickers spielten nicht gut, lagen in Rückstand, die obligatorische Niederlage (es wäre die sechste im sechsten Spiel gewesen) schien nur Formsache. Von Jochen Koch

„Wir dürfen uns bei Robert Wulnikowski bedanken, dass das Spiel nicht schon früh gegen uns entschieden war“, lobte Kickers-Trainer Boysen wieder einmal seinen erneut starken Torwart. Hier nimmt Wulnikowski Unterhachings Torschützen Tobias Schweinsteiger im letzten Moment den Ball vom Fuß.

„Jetzt muss etwas passieren“, dachte sich Trainer Hans-Jürgen Boysen nach einer Stunde und entschloss sich zu einer Maßnahme, die er noch nie zuvor in seiner Trainer-Laufbahn ergriffen hatte. Er wechselte in der 65. Minute drei Spieler gleichzeitig ein. Der Triple-Wechsel war nicht nur der erhoffte Hallo-wach-Effekt für bis dahin schwache Offenbacher, sondern auch der Schlüssel zum Erfolg.

Mit seinem ersten Ballkontakt erzielte Christian Pospischil schon nach 80 Sekunden den Ausgleich. Der ebenfalls eingewechselte Mirnes Mesic bereitete in seinem ersten Spiel nach vierwöchiger Verletzungspause in der 83. Minute den 2:1-Siegtreffer durch David Ulm vor.

„Jede Serie geht einmal zu Ende“, freute sich Boysen über den ersten Offenbacher Sieg in Unterhaching, ohne aber zu ignorieren, dass seine Mannschaft keine gute Leistung abgeliefert hatte. „Die erste Halbzeit war katastrophal“. Schon nach sechs Minuten hatte Martin Hysky mit einem kapitalen Fehler das 1:0 durch Tobias Schweinsteiger ermöglicht. Den Kickers fehlte Temperament, Schnelligkeit, Spielwitz. Während in der Halbzeitpause Vizepräsident Thomas Kalt („Das war gar nichts“) und Sportdirektor Andreas Möller skeptische Mienen machten, tobte Boysen in der Kabine. „Der Trainer war so laut wie noch nie“, berichtete Hysky. Fortan bemühten sich die Kickers mehr, aber erst der Personalwechsel brachte den erhofften Effekt. Die Unterhachinger verpassten zuvor die Entscheidung, als sie leichtfertig ihre Konterchancen vergaben. „Das reicht normalerweise für zwei, drei Spiele“, schimpfte Trainer Ralph Hasenhüttel.

Dass dann der Schiedsrichter den Kickers den Siegtreffer schenkte, empfanden die Offenbacher als ausgleichende Gerechtigkeit. Der schwache Dr. Drees hatte nicht gesehen, dass Ulm den Ball vor dem 2:1 mit der Hand gestoppt hatte. Aber er hatte in der 33. Minute auch übersehen, dass Unterhachings Torwart Kampa OFC-Stürmer Ugur Albayrak im Strafraum umgerissen hatte.

„Dass wir das Spiel noch drehen konnten, ist einfach super“, freute sich David Ulm, dass die Kickers erstmals nach einem Rückstand noch drei Punkte holten. „In der zweiten Halbzeit haben wir gezeigt, was wir drauf haben“, meinte Hysky. „Wenn man Spiele, die eigentlich verloren sind, noch dreht, kann das ein Knackpunkt für die ganze Saison sein“, hofft Vizepräsident Thomas Kalt auf die Langzeitwirkung des dritten Auswärtssieges. Denn bei einer Niederlage „wären wir lange im Mittelmaß versunken“, so Kalt, der jedoch vehement zurückwies, dass dann eine neue Trainerdiskussion entfacht worden wäre. „Nein, die wird es nicht mehr geben“, stellte sich Kalt ausdrücklich hinter Boysen.

Mit dem ersten Sieg in Unterhaching hat die Mannschaft das von Sportdirektor Andreas Möller geforderte „Außergewöhnliche“ sehr schnell geliefert. Dass dann auch noch die Konkurrenz mitgespielt hat, sorgte am Samstag für strahlende Mienen bei den Offenbachern, die nur noch zwei Punkte hinter einem Aufstiegsplatz liegen. Doch der „eminent wichtige Sieg“, so Boysen, war für die Kickers kein Grund zum Feiern. Das Angebot von Boysen auf einen Abstecher zum Oktoberfest hatte die Mannschaft nicht angenommen. Auf die Wiesn zog es dafür die Unterhachinger Mannschaft, auch wenn die nichts zu feiern hatten.

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