Boysen und das Horrorszenario

Aus der Offenbach Post:
Offenbach – Der Holzkeil war nur ein paar Zentimeter groß, aber er wurde auf einmal zum Problem. Eigentlich tat er nur das, was er ohnehin sollte, nämlich die Tür des Presseraums auf halten. Doch das kleine Ding hatte sich verkeilt, und daraufhin ging nichts mehr. Von Christian Düncher

Zeugwart Eric Wege löste das Problem zwar schnell mit einem heftigen Ruck, und sorgte somit dafür, dass die Pressekonferenz vor dem heutigen Heimspiel gegen Eintracht Braunschweig (19 Uhr) doch noch rechtzeitig beginnen konnte. Am Symbolcharakter der kleinen Panne änderte das jedoch nichts: Bei den Offenbacher Kickers klemmt es derzeit gewaltig.

Nur ein Punkt aus den vergangenen drei Spielen und im Durchschnitt lediglich ein Tor pro Partie erzielt. Die Probleme, das ist auch Hans-Jürgen Boysen klar, liegen im Offensivbereich. „Ein Blick auf die Tabelle genügt“, meint der OFC-Trainer. „Nur vier Mannschaften haben weniger Treffer erzielt als wir.“ Das, betont Boysen, sei „nicht erfreulich“. An der taktischen Ausrichtung der Mannschaft liege es jedoch nicht. Ohnehin widerspricht Boysen der Aussage von Vizepräsident Thomas Kalt, dass er bevorzugt mit einer Spitze spielen lasse. „Das ist nicht richtig“, stellt der 52-Jährige klar. „Ich habe in meinen 19 Jahren als Trainer stets mit zwei Spitzen spielen lassen. Dazu braucht man aber mehr als zwei gesunde Stürmer.“ Und das sei bei den Kickers zuletzt kaum der Fall gewesen.
Mit einer Spitze spielen, um die Mannschaft zu stabilisieren

Als ein „Horrorszenario“ bezeichnet Boysen daher folgende, hypothetische Situation: Der OFC spielt mit zwei Spitzen, hat nur noch eine halbe auf der Bank und muss – in Rückstand liegend – einen Stürmer verletzungsbedingt auswechseln und auf ein defensiveres System umstellen. Da würden ihn die Leute doch für verrückt erklären, meint Boysen. Solange nicht genug Stürmer gesund und fit sind, werde er „mit einer Spitze spielen lassen, um die Mannschaft zu stabilisieren.“

Viel mehr bleibt Boysen derzeit auch nicht übrig, zumal Angreifer Mirnes Mesic länger als gedacht ausfällt. Die zunächst diagnostizierte schwere Stauchung entpuppte sich nun doch als Zehenbruch. Mesic muss mindestens zwei Wochen mit dem Training pausieren. Ob Sebastian Rode gegen Eintracht Braunschweig zur Verfügung steht, wird sich wohl erst kurzfristig entscheiden. Der Mittelfeldspieler hat sich bei der 0:1-Pleite in Burghausen eine „massive Oberschenkelprellung“ zugezogen und bislang nur Rehatraining absolviert hat. Erfreulich für Rode: Er wurde in den vorläufigen Kader der DFB-Auswahl für die U20-WM (25. September bis 2. Oktober) berufen. Weil die Nationalmannschaft am 5. September gegen Südafrika testet, wurde das ebenfalls für diesen Termin angesetzte Ligaspiel des OFC beim SV Werder Bremen II kurzfristig auf den 15. September (19 Uhr) verlegt.

Mesic verletzt, Rode fraglich – keine allzu guten Voraussetzungen für das Spiel gegen Braunschweig. Boysen sieht die Mannschaft trotzdem „stabil und intakt genug“, um die Partie zu gewinnen. „Wir müssen nur den Schlüssel finden, um die Tür zu öffnen“, ergänzt OFC-Sportmanager Andreas Möller. Bleibt für die Kickers nur zu hoffen, dass der kleine Holzkeil ihnen keinen Strich durch die Rechnung macht.

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