“Jaaa – wir sind wieder da!”

Aus der Offenbach Post:
Kickers können nach 1:0-Sieg beim SC Freiburg im Heimspiel gegen Hoffenheim Klassenerhalt perfekt machen

Von Jochen K o c h

Freiburg – “Jaaa – wir sind wieder da!” Nicht nur Bastian Pinske schrie seine Freude heraus. Die Offenbacher Kickers haben fast ein Fußball-Wunder vollbracht. Drei Tage nach einer deprimierenden 1:7-Heimpleite gegen Borussia Mönchengladbach feierte der OFC bei der heimstärksten Mannschaft der 2. Liga einen verdienten 1:0-Auswärtssieg. Der erste Auswärtserfolg durch das erste Saisontor von Oualid Mokhtari (83. Minute) unter Jörn Andersen (“Fußball ist so verrückt”) katapultierte die Kickers von Platz 15 auf 12, zwei Punkte vor Kaiserslautern und Koblenz.

Wie groß die Anspannung beim OFC war, zeigte sich nach dem Spiel. Ehrenpräsident Waldemar Klein brach beim Gratulieren in der Kabine mit einem Kreislaufkollaps zusammen, musste von Rettungssanitätern versorgt werden. Nach einer Stunde konnte der 88-Jährige die Heimfahrt antreten.

Gerettet sind die Kickers nach diesem eminent wichtigen Sieg noch nicht. Es wird ein Herzschlagfinale geben. Im nächsten Heimspiel treffen die Kickers am Sonntag auf 1899 Hoffenheim, das mit einem Sieg in Offenbach aufsteigen kann. Die Kickers können ihrerseits mit einem Heimsieg die Rettung perfekt machen, wenn Koblenz, Kaiserslautern oder Osnabrück nicht gewinnen – was für eine Dramatik. Eine Situation wie 2006, als die Kickers im letzten Heimspiel auf den späteren Aufsteiger Energie Cottbus trafen – und sich mit dem 2:0 retteten.

Die Kickers haben aber in jedem Fall noch eine zweite Chance. Egal, wie sie gegen Hoffenheim spielen, wenn sie in Osnabrück gewinnen, wären sie auch gerettet. “Ich brauche kein Endspiel in Osnabrück, wir wollen das am Sonntag klar machen”, demonstrierte der überglückliche Andersen (“Wir haben uns geschworen, wir steigen nicht ab”) neues Selbstvertrauen. Die drei Tage im Trainingslager haben der Mannschaft offenbar neues Leben eingehaucht. Bowling, Sommerrodelbahn und ein Pokerturnier waren das richtige Rezept, um die 1:7-Pleite zu vergessen. In Freiburg fand Andersen dann auch das richtige taktische Rezept. “Unsere Abwehr hat sehr gut gespielt. Auch das Mittelfeld hat sehr gut verschoben und die Räume eng gemacht”, lobte Andersen die Arbeit der Defensive, die zwar in der Anfangsphase gegen stürmische Freiburger einige Probleme hatte, aber nur wenige Chancen zuließ. Die größte Möglichkeit vereitelte der fleißige Ricardo Sousa, als er bei einem Freistoß von Aogo ins Tor eilte und den gut geschossenen Ball kurz vor der Linie herausköpfte (24.).

Die Freiburger hatten zwar auch zu Beginn der zweiten Halbzeit mehr vom Spiel, doch als ein Tor von Idrissou wegen Abseits (61.) nicht gegeben wurde, begann die stärkste Phase der Kickers. Innerhalb von neun Minuten hatten Agritis, zweimal Wörle und Hysky vier große Möglichkeiten zur Führung.

Als in der 75. Minute der Mainzer Rückstand auf der Anzeigetafel eingeblendet wurde, riskierte Freiburg im Aufstiegskampf zu viel und wurde prompt vom OFC ausgekontert. Christian Müller lief 50 Meter mit dem Ball, passte im richtigen Moment auf Oualid Mokhtari und dessen Flachschuss landete exakt im langen Eck (83.). Neun lange Minuten zitterten die Kickers. Aber nachdem sie zuletzt fünfmal eine 1:0-Führung verspielt hatten, reichte es diesmal. “Wir waren im Dreck nach dem 1:7”, sagte Andersen. “Jetzt sind wir wieder aufgestanden.”

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