Angeschlagen, aber nicht k.o.

Aus der Offenbach Post:
Kickers überstehen zwei Negativserien in der 2. Liga ohne Folgen / Eintracht-Spiel zeigte Wirkung
Von Jochen K o c h

3:2 in Jena, 2:1 gegen 1860 München. Das Jahr 2007 begann für die Offenbacher Kickers optimal. Nach sechs Siegen in Folge stand der OFC auf Platz sechs. Elf Punkte Abstand zu einem Abstiegsplatz. Trainer Wolfgang Frank und Sportmanager Michael Dämgen hatten ihre Verträge ebenso verlängert wie Stürmer Suat Türker. Dazu wurden mit Marco Reich und Anestis Agritis zwei vermeintlich wertvolle Verstärkungen verpflichtet. Und mit dem Derby im Pokal-Viertelfinale gegen Eintracht Frankfurt winkte eine Millionen-Einnahme und die große Chance, bundesweit in den Blickpunkt zu rücken.

Aber als der OFC am 2. Februar beim Tabellenführer Karlsruher SC bei einer 1:0-Pausenführung kurz davor stand, in den Aufstiegskampf einzugreifen, begann ein beispielloser Absturz. Ein Elfmeter in der Nachspielzeit bescherte dem OFC die 1:2-Niederlage. Das erste von 15 mehr oder minder erfolglosen Spielen. Nur einmal, beim 2:1 gegen Burghausen, verließen die Kickers bis Saisonende den Platz noch als Sieger. Aber das Präsidium stützte Trainer Wolfgang Frank auch in dieser Phase der Erfolglosigkeit. Nur dank der noch schwächeren Konkurrenz reichte am letzten Spieltag ein 1:1 gegen Absteiger Braunschweig zum Klassenerhalt mit 36 Punkten.

Zu diesem Zeitpunkt hatte die Mannschaft mit schwachen Leistungen längst das Vertrauen der Fans verloren. Auslöser für eine große Identitätskrise zwischen Anhängern und Mannschaft war das Pokalspiel gegen den ungeliebten Nachbarn Eintracht Frankfurt. Trainer und Präsidium hatten bewusst die Rolle als “kleiner” Außenseiter gewählt, versuchten jede Brisanz zu vermeiden. Aber so spielten die Kickers dann auch gegen eine Frankfurter Mannschaft, die zu diesem Zeitpunkt auf einem Abstiegsplatz stand. Ohne Mut, ohne Willen, ohne Biss, ohne Leidenschaft – 0:3.

Selten zuvor hatte eine Niederlage so große Enttäuschung hervorgerufen und so negative Wirkung. Als Wolfgang Frank das 0:3 auch noch schönreden wollte (“Wir brauchen uns nicht groß zu ärgern”) hatte der zuvor als Retter gefeierte Trainer viel an Sympathie verloren.

Mit einem rundum erneuerten Kader wollten die Kickers in der zweiten Jahreshälfte einen Neuanfang starten. Der Auftakt war wieder optimal. Nach dem vierten Saisonsieg (2:0 gegen Mainz) bot sich den Kickers die große Chance, erstmals nach 20 Jahren die Tabellenspitze in der 2. Liga zu übernehmen. Doch wieder einmal schaffte die Mannschaft in einem entscheidenden Spiel nicht die “Big Points”, verlor beim Tabellenletzten Jena 0:2. Erneut der Anfang für eine brutale Negativserie. Seit elf Spielen ist die Mannschaft schon sieglos. Als das Präsidium nach dem 0:6-Pokaldesaster in Rostock (höchste Niederlage seit 23 Jahren) bei den Spielern Ursachenforschung betreiben wollte, fasste dies Frank als Misstrauensvotum auf und trat am 30. Oktober nach 21 Monaten als Kickers-Trainer (76 Punkte in 61 Spielen) zurück.

Nach Absagen von Neururer, Wolf und Frontzeck entschieden sich die OFC-Verantwortlichen für Jörn Andersen. Der Norweger hat nur eines seiner fünf Spiele verloren (0:3 in Mönchengladbach), muss nach vier Unentschieden aber noch auf seinen ersten Sieg warten. Obwohl die Kickers elf Spiele (seit 23. September) sieglos sind, müssen sie nicht auf einem Abstiegsplatz überwintern. Bezeichnend für ein Jahr 2007, in dem die Kickers in 34 Spielen nur 32 Punkte (sieben Siege) geholt haben. Eine Abstiegsbilanz, aber ohne Folgen. Angeschlagen, aber nicht k.o. gegangen. 2008 kann nur besser werden. Dazu passt, dass die erfreulichste Nachricht bekannt wurde, als die Spieler schon im Urlaub waren. In Offenbach soll ein neues Stadion gebaut werden. Gute Perspektiven für den OFC.

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