Hoffenheim – Kickers 16: 500

Aus der Offenbach Post:
Offenbacher Kickers feiern am Sonntag nach 31 Jahren besonderes Jubiläum: Das 500. Zweitligaspiel
Von Jochen K o c h

Offenbach – Besondere Jubiläen werden meistens in einem würdigen Rahmen gefeiert. Die Gäste bringen zu diesem besonderen Anlass Geschenke mit. Die Stimmung ist festlich oder auch ausgelassen. Die Offenbacher Kickers feiern am kommenden Sonntag ein ganz besonderes Jubiläum – ihr 500. Spiel in der 2. Liga. – aber der Rahmen ist alles andere als festlich. Am vorletzten Vorrundenspieltag treten die Kickers bei 1899 Hoffenheim an. Im kleinsten Zweitligastadion, das mit einem Fassungsvermögen von 6300 Zuschauern ausverkauft sein wird.

Größer könnte der Kontrast zwischen Traditionsverein (500 Zweitligaspiele) und Aufsteiger (16 Zweitligaspiele) nicht sein. Der OFC an der Schwelle zur Regionalliga, finanziell stark limitiert, in der Rhein-Main-Region eingekeilt zwischen den Konkurrenten Eintracht Frankfurt, FSV Mainz und SV Wehen-Wiesbaden. Eigentümer eines maroden Stadions und Kämpfer für eine bessere Zukunft. Die Nachwuchsmannschaften kicken auf Asche und kaputten Kunstrasenplätzen.

Der Verein aus der 3300 Einwohner zählenden Gemeinde zwischen Heidelberg und Heilbronn kennt diese Probleme nicht. Ein Märchenprinz in der Provinz beschert den Hoffenheimern ein sorgenfreies Leben. SAP-Gründer Dietmar Hopp steckt einen teil seines verdienten und versteuerten Geldes in seinen Heimatklub. Nur Bayern München hat vor der Saison mehr Geld für neue Spieler ausgegeben. Fast 20 Millionen Euro Ablöse hat Hoffenheim für seine Nationalspieler aus Brasilien, Schweden, Ghana, Senegal und Bosnien bezahlt. Für 60 Millionen Euro wird ein neues Stadion für 30 000 Zuschauer gebaut. Eine Jugendakademie mit Trainingsgelände soll fünf Millionen Euro kosten.

500 Zweitligaspiele werden und wollen sie in der Provinz nie feiern. Zu rasant ist das Tempo, das der Software-Mogul vorgibt. In der Region Heidelberg-Mannheim ist Hoffenheim schon die Nummer eins. “Für alle Probleme findet sich eine Lösung. Ich werde den Aufstieg nicht verbieten”, sagt Milliardär Hopp.

Dass er mit diesem Anspruch von vielen etablierten Vereinsvertretern skeptisch beäugt wird, zeigte erst kürzlich der Disput, den Hopp mit dem Mainzer Manager Heidel hatte. Der fand es schade, dass ein Verein wie Hoffenheim dank des Geldes eines Milliardärs Traditionsvereinen einen Platz im Profibereich wegnimmt. Inzwischen hat man sich ausgesöhnt – und würde am liebsten gemeinsam aufsteigen. Mit einem Heimsieg gegen die Kickers will die Mannschaft von Trainer Ralf Rangnick die Aufstiegschance (derzeit Platz acht/21 Punkte) wahren. Jubiläumsgeschenke dürfen die Kickers nicht erwarten.

31 Jahre brauchten die Kickers für die stolze Zahl 500. Als die 2. Liga 1974 gegründet wurde, waren die Kickers unter Trainer Otto Rehhagel erstklassig (die TSG Hoffenheim spielte in der A-Liga). Nach dem Abstieg 1976 gaben die Kickers ihren Einstand in der damals noch zweigeteilten 2. Liga. Unterbrochen von einem Gastspiel in der Bundesliga (83/84) und zwei Jahren in der Oberliga spielten sie bis 1989 zweitklassig. Es folgten 16 Jahre Drittklassigkeit, unterbrochen von einem Jahr 2. Liga (1999/2000), ehe 2005 der Wiederaufstieg gelang. Im dritten Jahr ist der OFC auf dem Weg, sich zu etablieren.

In der ewigen Tabelle belegt der OFC in seiner 14. Saison Platz 21. Nur fünf aktuelle Zweitligisten haben mehr Spiele als die Offenbacher absolviert.

Ihr erstes Spiel in der 2. Liga bestritten die Kickers am 19. August 1976 und besiegten den 1. FC Nürnberg 2:0. Die Kickers-Aufstellung:

Bernd Helmschrot; Wolfgang Rausch, Gernot Rohr, Amand Theis, Peter Berg, Lothar Skala, Hermann Bitz, Zlatan Cajkovski (61. Walter Krause), Lars Bastrup, Rainer Blechschmidt, Siggi Held. – Trainer: “Tschik” Cajkovsky

Es war ein Heimspiel, aber gespielt wurde nicht in Offenbach, sondern im Frankfurter Waldstadion. Das Stadion Bieberer Berg war damals wegen Sicherheitsmängeln gesperrt. Viel geändert hat sich seitdem nicht.

Lesen Sie morgen: Die Kickers-Bilanz seit 1976 und ein Interview mit dem Rekordtorschützen (97 Tore).

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