“Komm‘ Moses, wir tanzen”

Aus der Offenbach Post:
Überragender Sichone führt Kickers zum 2:0-Sieg gegen SC Paderborn / Retter, Torschütze und Vorbereiter

Von Jochen K o c h

Paderborn -Zwei Silben können einen ganzen Verein neu darstellen. “Wir wollen euch kämpfen sehen”, hatten die Kickers-Fans letzte Saison, als es nur noch abwärts ging, gesungen. Seit gestern ist der Text leicht – zwei Silben – abgeändert. Ab sofort singen die Fans: “Wir wollen euch tanzen sehen.” Was die Profis mit dem 4:0-Sieg in Sandhausen begonnen haben, setzten sie gestern im Punktspiel beim SC Paderborn fort. Erst gewinnen (2:0), dann vor dem Fanblock tanzen. Im Mittelpunkt einmal mehr Moses Sichone. Nicht nur als Vortänzer, ohne den seine Kollegen keinen Tanzschritt wagen (“Komm‘ Moses, wir tanzen”), sondern auch als Abwehrchef, Torschütze und Vorbereiter. Der 30-jährige Neuzugang verkörpert den Neuanfang der Offenbacher Kickers.

“Darauf kann man stolz sein”, kommentierte Sichone den ersten Saisonsieg, der nicht nur drei Punkte, sondern auch ein neues Miteinander zwischen Verein und Fans zementiert hat. “Wir haben wieder Kredit bei den Fans erobert”, freute sich Trainer Wolfgang Frank, der den “außergewöhnlichen Teamgeist” seiner Mannschaft hervor hob. “Wieder eine vertrauensbildende Maßnahme”, kommentierte Thomas Kalt den zweiten Sieg in Folge. Ein optimaler Saisonstart für die Kickers vor dem Heimspiel am Sonntag gegen Erzgebirge Aue. Und noch dazu ein Jubiläumssieg – der 200. in der 2. Liga für Kickers Offenbach.

Danach sah es anfangs aber nicht aus. Denn in der ersten 30 Minuten spielte nur Paderborn. Doch schon in dieser Phase avancierte Sichone zum Mann des Tages. Denn als Röttger Torwart Cesar Thier überlupft hatte, kratzte der Zugang aus Aachen den Ball mit akrobatischer Einlage von der Torlinie (28.).

Zweites Spiel zu Null

Sichones Rettungstat weckte die Offenbacher, die jetzt in Abwehr und Mittelfeld aggressiver und effektiver auftraten. In der zweiten Halbzeit kontrollierten die Gäste mit einer sehr gut vernetzten Defensive (zum zweiten Mal ohne Gegentor!) alle phantasielosen Angriffsbemühungen der Paderborner. Die Spielweise erinnerte stark an die erfolgreiche Phase im Winter 2006. Sehr diszipliniert, mit großer Ordnung und Zweikampfintensität in der Defensive, und in der Offensive reicht auch einmal ein Tor aus einer Standardsituation. Ecke von Sidney, Sichone köpft zwischen Durisic und Noll zum 0:1 ein (60.).

Ein Tor, das den Kickers Selbstvertrauen gab und Paderborn völlig konsternierte. Das einzige Paderborner Rezept, lange Bälle oder weite Einwürfe, bereitete den überragenden Offenbacher Innenverteidigern Niko Bungert und Sichone wenig Probleme. Der Routinier und der Youngster hatten die Lufthoheit und beherrschten ihren Strafraum. “Bungert bestätigt seine Entwicklung, die extrem ist. An ihm kommt keiner vorbei”, adelte Frank seinen jüngsten Spieler.

Als Paderborn in der Schlussphase alles nach vorne warf, ergaben sich natürlich Konterchancen für die Kickers. Mit unheimlicher Entschlossenheit, Schnelligkeit und Zielstrebigkeit stürmte Christian Müller mit einem Solo nach einem klugen Pass von Sichone über 70 Meter auf das Paderborner Tor und lupfte den Ball mit dem Außenrist zum 2:0 ins Netz (86.). Der erste Sieg über Paderborn war perfekt – und die Serie der erfolgreichen Auftaktspiele (letzte Niederlage 1995) hat auch gehalten.

“Daraus erwächst etwas”, sieht Sportmanager Michael Dämgen die Kickers auf einem “guten Weg für Aue”. Das klingt nach einer weiteren Tanzeinlage, gegen die auch Sichone nichts einzuwenden hätte. “Wenn wir so weitermachen, dann tanzen wir gerne für die Fans.”

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