Offenbacher Glücksgefühle

Aus der Frankfurter Rundschau:
Zweitligist sichert sich mit solider Leistung die ersten drei Punkte der neuen Saison / Im Pokal nach Rostock
VON ANDREAS HUNZINGER

Es bedurfte nicht mehr als dieser kurzen Geste, um zu dokumentieren, wie groß die Freude war. Schiedsrichter Jochen Drees hatte am Sonntagnachmittag gegen 15.50 Uhr just die Begegnung der Zweiten Fußball-Bundesliga zwischen dem SC Paderborn und den Offenbacher Kickers abgepfiffen, da ballte Wolfgang Frank die Faust und stieß einen kurzen, aber heftigen Schrei aus. 2:0 (0:0) hatte der OFC das erste Spiel der neuen Saison gewonnen, dabei erstmals in zwei gemeinsamen Zweitliga-Jahren gegen Paderborn dreifach gepunktet: Da musste der Kickers-Coach seine Zufriedenheit mit einem kurzen emotionalen Ausbruch demonstrieren.

Später, nachdem Frank seine Co-Trainer, Betreuer und sämtliche Offenbacher Spieler geherzt und der neuerdings von der Mannschaft aufgeführten Tanzeinlage vor dem Fanblock amüsiert zugesehen hatte, sagte Frank, “dass wir alle überglücklich sind”. Und er lobte sein Team, das er in der gleichen Startformation wie beim 4:0-Pokalsieg vor Wochenfrist beim SV Sandhausen auf den Platz geschickt hatte, über den grünen Klee. “Paderborn hat eine gute Mannschaft mit guten Einzelspielern”, sagte der 56 Jahre alte Fußball-Lehrer, “deswegen hat unser Sieg schon eine Qualität.”

Vor allem die kämpferische Einstellung hatte dem Offenbacher Trainer gefallen, zudem, so Frank, “haben wir gezeigt, dass wir als Team auftreten können”. Und da er schon mal am Loben war, ließ Frank noch verlauten, dass ihm auch das Abwehrverhalten seiner Mannschaft sehr zugesagt hatte. Die OFC-Deckung hatte während der 90 Minuten nur eine klare Torchance für Paderborn zugelassen, als Innenverteidiger Moses Sichone (siehe nebenstehenden Bericht) nach einem Heber des Paderborner Angreifers Timo Röttger kurz vor der Torlinie klärte (28.).

Dominanz ausgeübt

Die Kickers wiederum brillierten zwar auch nicht gerade mit berauschendem Offensivfußball, doch nachdem Paderborn die Anfangsphase bestimmt hatte “und wir ein wenig unter Druck standen”, so Außenverteidiger Christian Müller, bekamen die Gäste die Begegnung gegen Ende der ersten Halbzeit in den Griff, um nach der Pause die Kontrolle über die Partie nicht mehr abzugeben.

Begünstigt wurden die Bemühungen durch das 1:0, das Sichone nach einer Stunde im Anschluss an eine Ecke seines Kollegen Sidney per Kopf erzielte. Dass der OFC seine erste gute Möglichkeit nutzte, war ein weiteres Qualitätsmerkmal an diesem warmen Nachmittag im Hermann-Löns-Stadion. Nach diesem Treffer war der OFC Chef im Ring, “da wir es nicht mehr verstanden haben, Druck zu machen und zu viele leichte Ballverluste hatten”, wie der Paderborner Trainer Holger Fach einräumen musste.

Die Kickers kontrollierten nun Ball und Gegner und gerieten nicht mehr in Bedrängnis, weshalb man verdient gewonnen habe, so Frank. Als sich schließlich Rechtsverteidiger Müller vier Minuten vor Schluss aus der eigenen Hälfte in Richtung Paderborner Tor aufmachte und nach einem Lauf über 60 Meter SC-Torhüter Alexander Bade mit einem überlegten Schuss zum 2:0 überwand, war der Sieg endgültig gesichert. Dass er wichtig war, verstand sich für alle Offenbacher von selbst. “Die Mannschaft hat wieder Kredit erobert”, sagte Frank, “die Jungs haben das verdient.”

In der zweiten Pokalrunde hängen die Trauben für den OFC, der zuletzt zweimal in Folge das Viertelfinale erreichte, hoch. Der Zweitligist muss zum Bundesliga-Aufsteiger Hansa Rostock.

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