Radikalkur für mehr Qualität

Aus der Frankfurter Rundschau:
Zweitligist Kickers Offenbach sieht sich gut aufgestellt und will mit dem Abstieg nichts zu tun haben
VON ANDREAS HUNZINGER

Thorsten Judt fasste es in einem Halbsatz zusammen. “War ziemlich heftig.” Was der Mittelfeldroutinier des Fußball-Zweitligisten Kickers Offenbach damit meinte, war die Intensität des Trainingslagers in Schönau an der Brend in der bayrischen Rhön. Bis zu viermal täglich ließ Trainer Wolfgang Frank seine Mannen antreten, und am Samstag stand noch das Blitzturnier in Großbardorf an. Dort verlor der OFC gegen 1860 München 0:1 (Tor: Antonio di Salvo) und siegte gegen den ghanaischen Erstligisten Asante Kotoko durch einen Treffer von Neuzugang Sidney 1:0. In beiden Partien hinterließ der OFC indes einen passablen Eindruck.

Positives Zwischenfazit

Und so zieht Coach Frank auch ein positives Zwischenfazit der bisherigen vier Wochen Vorbereitung. “Insgesamt ordentlich” sei der Zustand der Mannschaft, es seien bereits “viele gute Sachen dabei”, wenn die Kickers Fußball spielten. Leichte Sorgen bereiten Frank lediglich die Blessuren von Torjäger Suat Türker (Zerrung im Rücken), der Mittelfeldakteure Judt (Nagelbettentzündung) und Thomas Wörle (Oberschenkelprobleme) sowie von Außenverteidiger Bastian Pinske (Fersenprellung).

Abseits dessen glauben Frank und Sportmanager Michael Dämgen nach den bisherigen Eindrücken, dass die Radikalkur, die sie nach der Zittersaison 2006/2007 dem Kader der Kickers verordnet haben, richtig war. “Es ist erkennbar, dass die Qualität besser ist als letztes Jahr”, sagt Dämgen, “ich glaube, wir haben gut eingekauft”.

Zwei Baustellen waren es, auf die die Verantwortlichen bei der Zusammenstellung des Aufgebotes für die neue Runde ihr Augenmerk gerichtet haben. Erstens: die wackelige Defensive. 59 Gegentreffer kassierte der OFC in der vergangenen Spielzeit, die zweitmeisten der Liga. Bis auf den jungen Niko Bungert wurde nun die gesamte Innenverteidigung ausgetauscht, die Hoffnungen ruhen nun vor allem auf Moses Sichone, den der OFC von Erstligaabsteiger Alemannia Aachen verpflichtete, und den erfahrenen Martin Hysky, der vom Absteiger Rot-Weiss Essen kam. Darüber hinaus soll der von Eintracht Frankfurt geholte Daniyel Cimen die zu oft vorhandenen Lücken im defensiven Mittelfeld schließen und von hinten heraus das Spiel ankurbeln.

Zweite Schwachstelle war das spielerische Defizit. Auch da wurde nachgebessert. Linksverteidiger Sidney, der aus Cottbus kam, deutete bereits an, dass er mit präzisem Passspiel und genauen und scharfen Flanken eine Bereicherung ist, zudem hat der vom Oberligisten Sachsen Leipzig verpflichtete Adebowale Ogungbure, der beim 1. FC Nürnberg und dem SSV Reutlingen bereits Zweitligaerfahrung sammelte, das höhere Tempo wieder aufgenommen und befruchtet das Spiel mit seiner Passsicherheit. Darüber hinaus setzen die OFC-Macher auf den jüngsten Zugang Denis Epstein (1. FC Köln) und darauf, dass der talentierte, aber wankelmütige Dribbler Oualid Mokhtari mit 25 Jahren endlich zu konstanter Form findet.

Keine Berg- und Talfahrt mehr

Denn Konstanz ist, was die Kickers im Vergleich zur vergangenen Saison dringend benötigen. Eine Berg- und Talfahrt wie zuletzt, als der OFC nach schwachem Start durch eine Siegesserie bis auf Platz sechs durchstartete, um dann dramatisch einzubrechen und fast noch abzusteigen, soll es nicht mehr geben. “Im gesicherten Mittelfeld mit Blickrichtung einstelliger Tabellenplatz”, so Dämgen, will sich der OFC einpendeln. Die Voraussetzungen dafür glaubt man geschaffen zu haben. Aber wie sagt Michael Dämgen: “Ob es auch so kommt, werden wir erst während der Saison sehen.” Taugt fürs Phrasenschwein, stimmt aber.

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